VON SABEL UND COMENIUS - Teil 1
Deutsch-Tschechisches Fremdsprachenprojekt bewilligt ? Hotelkaufleute und Sicherheitsfachkräfte ziehen an einem (Projekt)-Strang
Über Herrn Dr. Gustav-Adolf Sabel, dem unsere Schulen ihren Namen verdanken, wissen wir, dass es sein vorrangiges Ziel war, jungen Menschen berufliche Grundlagen in einer fundierten und praxisnahen Ausbildung mitzugeben. Dies gipfelte in dem Leitsatz »Bildung ? ein Fundament fürs Leben« und in der späteren Gründung der Stiftung Sabel.
Johann Amos Comenius (eigentlich tschechisch Jan Amos Komenský), geboren am 28. März 1592, ist dagegen nur wenigen von uns bekannt. Selbst mehrere Jahre als Lehrer und Rektor u. a. an der Brüderschule in Prerau tätig, entwickelte er die erste systematisch aufgebaute Didaktik der Neuzeit. Ein philosophischer Grundsatz seiner Pädagogik lautet: »Omnes, omnia, omnino!« ? »Alle Menschen sollen alle Dinge der Welt vollständig erlernen dürfen«. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das »Janua Linguarum Reserata« (Die geöffnete Sprachenpforte), welches erstmals Sachunterricht und (lateinischen) Sprachunterricht verknüpfte.
Diesen beiden Grundgedanken hat sich die Europäische Union im europäischen Bildungsprogramm verpflichtet.
Comenius 1.2 ? Das Fremdsprachenprojekt Comenius 1 ist eine Teilaktion des europäischen Bildungsprogramms SOKRATES II der Europäischen Union. Diese Teilaktion ist ein Programm, das es Auszubildenden und Lehrlingen ermöglicht, einen anderen europäischen Staat zu besuchen, um dort zusätzliche Qualifikationen zu erwerben, die in Deutschland nur sehr schwer oder gar nicht erworben werden können. Zu diesen zusätzlichen Qualifikationen gehören an erster Stelle der Erwerb und die praktische Anwendung von Fremdsprachen. Zum Erwerb von beruflichen, sprachlichen und sozialen Fähigkeiten arbeiten Jugendliche gemeinsam an einem Projekt, dessen Inhalte von beiden Programmpartnern in eigener Verantwortung geplant, entwickelt und durchgeführt werden. Bei der gemeinsamen Arbeit und Freizeit lernen die Jugendlichen die Sprache des Gastlandes kennen und anzuwenden und bekommen so die Möglichkeit, ihr Bewusstsein für andere Kulturen zu schärfen.
Tourismus und Personenschutz Unter der Problemstellung »Tourismus und Personenschutz im europäischen Gebiet ? speziell in Nordmähren und Berlin« arbeiten Auszubildende des derzeit 2. Lehrjahres der Berufsrichtung »Hotel- kauffrau/-mann« der BEST-Sabel-Touristikakademie in Berlin-Friedrichs- hagen und Schüler der Fachrichtung Personen- und Besitzschutz der tschechischen Partnerschule Soukromé stredni odborne skoly ochrany osob a majetku aus Ostrava in den nächsten Monaten zusammen. Dabei befassen sich die Jugendlichen in beiden touristischen Zielgebieten mit der Analyse der vorhandenen Sicherheitsstandards/-vorschriften in touristischen Einrichtungen, insbesondere Hotels und öffentlichen Gebäuden. Dabei geht es um das Erlernen von (einfachen) Fachbegriffen/Formulierungen in der Sprache des Partnerlandes. Krönung wird der gegenseitige Besuch der Jugendlichen am Partnerort sein. Über den Verlauf der Projektarbeit, die gegenseitigen Besuche und natürlich über die Ergebnisse werden wir regelmäßig im BEST-Sabel-Kurier berichten. Der Gesamtzeitraum des Projektes läuft vom 1. August 2006 bis 31. Juli 2007. J.B.
aus: BEST-Sabel-Kurier 2/06: 6
VON SABEL UND COMENIUS - Teil 2
Vom 27. Oktober bis 12. November 2006 waren vierzehn angehende Hotelkaufleute der Klasse HKL 2 mit ihrer Ausbilderin Jacqueline Behrens in Nordmähren unterwegs. Diese Fahrt, die keineswegs eine Klassenfahrt war, ist Teil des einjährigen aus EU-Mitteln geförderten Sokrates-Projektes. Im BSK 2/06 wurde bereits über das deutsch-tschechische Projekt zwischen unseren Azubis von der Touristikakademie und angehenden Sicherheitsfachkräften aus Ostrava berichtet. Bei dem Besuch im Nachbarland stand einerseits die Fremdsprache im Vordergrund und die Problemstellung »Tourismus und Sicherheit/Personenschutz«. Die Azubis, die sich nun im dritten Ausbildungsjahr befinden, verbrachten den Großteil der Reise in Ostrava. Dort gab es Sprachunterricht mit den tschechischen Projektteilnehmern. Es wurden Gruppen gebildet, die sich verschiedensten Aufgaben- stellungen und Situationen widmeten (Verhalten in der Öffentlichkeit, hotelspezifische Fragen, Situation Autounfall, welche Abläufe gibt es in Deutschland und welche in Tschechien bei diesem Problem). Von Ostrava aus fanden zahlreiche Exkursionen in die Region unter touristischen Aspekten statt, inklusive Besuchen von Museen, Sehenswürdigkeiten und Hotels. Die Gastgeber der Sicherheitsschule berichteten über ihre Ausbildung und zeigten Techniken aus ihren Unterrichtseinheiten zu Kampfsport (Wie nimmt man Personen fest?), Personenschutz und Kriminalistik. Die ausgebildeten Sicherheitskräfte sind später von Objektschutz bis zum gehobenen Polizeidienst einsetzbar. Ein paar Tage verbrachten alle Teilnehmer auf einer Bergdatscha in Horní Becva, einer Art Schulungsheim der Schule. Dort wurden weitere gemeinsame Projektarbeiten durchgeführt. Außerdem hatten unsere Azubis viele Arbeitsblätter, deren Aufgaben erfüllt werden mussten. So sammelten und recherchierten sie zu Themen wie Landeskunde, Unterkunft, Klima, politische Ordnung, Reisemittel, Kultur und Besonderheiten sowie Infos zu Städten in der Region. Ähnliche Aufgaben zur politischen und sozialen Ordnung in Deutschland hatten die tschechischen Teilnehmer zu erfüllen. Der krönende Abschluss der Fahrt waren drei Tage in der Landeshaupt- stadt Prag. Es war also ein volles Programm, in dem es kaum Freizeit zum Verschnaufen gab. Es sei anstrengend aber auch sehr schön gewesen, meinten die Teilnehmer. Besonders spannend war es, wie man sich, obwohl man die andere Sprache nicht weiter beherrscht, mit Wörterbüchern bewaffnet verständigen kann. Es gab auch einen Tag, den die Azubis »ohne Aufsicht« sportlich mit Klettern oder Schwimmen verbrachten und sich gut verständigen konnten. »Ein besonders schöner Nebeneffekt der Tour ist, dass sich die Klasse in den zweieinhalb Wochen als Team weiterentwickelt hat und der Zusammenhalt gestärkt wurde«, meint Frau Behrens. In den ersten beiden Februarwochen 2007 kommen die tschechischen Studenten zu uns, um weiter am Projekt zu arbeiten. Am Ende soll ein zweisprachiger Almanach entstehen, den es ebenso auf CD geben soll und alle Infos und die gesamte Dokumentation werden auf einer Internetseite zu sehen sein.
aus: BEST-Sabel-Kurier 4/06: 6
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